Thank you love, thank you life..

February 27th, 2008 by admin

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Eine jährliche Tradition, der ich wohl auch noch mit achtzig fröhnen werde ist, mir die Oscar-Verleihung im Innsbrucker Metropol Kino anzusehen. Mit im Oscar-Paket waren drei frei wählbare Filme, unendlich Nachos und Popkorn und die Übertragung der Verleihung von Pro7.

Einen sanften Einstieg gönnte ich mir mit Charlie Wilsons War in der Originalversion. Sehr kurzweilig, aber nichts Besonderes. Die Szenen in den afghanischen Flüchtlingscamps wirkten angestrengt und alle Witzchen über Congressman Wilsons weiblich-attraktives Sekretariat waren niveaulos. Ach ja: Julia Roberts als Society-Lady? Ich könnte kotzen.

Eher harte Kost war dann der österreichische Beitrag Die Fälscher. Ganz ohne Patriotismus kann ich sagen, dass der Film die goldenen Statuette wirklich verdient hat. Natürlich gibt es Lästerzungen, die nicht zu unrecht behaupten, dass es sich mit Antinazi oder Antikommunistenthematik gut Oscars gewinnen lässt.

Doch die relativ unbekannte Geschichte der Geldfälschungsmaschinerie der Nazis in Sachsenhausen ist nicht nur wahr, sondern in Die Fälscher auch noch äußerst einfühlsam und vielschichtig erzählt. Der moralische Konflikt zwischen dem Überlebensinstinkt der KZ-Insassen und ihrer solidarischen Verantwortung gegenüber ihren Mithäftlingen und den anderen Opfern der Nazis wurde bis ins letzte Detail herausgearbeitet.
Drehbuch, Schauspiel und auch Bildsprache waren technisch wie künstlerisch überzeugend und mitreißend (besonderes Lob auch an die Beleuchter). Wie schon nach Der Pianist wurde mir wieder bewusst, dass man nie genug über den Holocaust geschrieben, gefilmt und geredet haben darf. Nach diesem Film fiel es mir schwer, nicht an der Geschichte zu verzweifeln. Ich hoffe, dass Herr Burger den Oscar als Zeichen werten kann, dass es noch Menschen gibt, die kein Interesse am Vergessen haben.

Die Oscarverleihung nach diesen zwei Filmen war wie immer überaus peinlich begleitet durch Pro7. Denkwürdige Fremdschäm-Augenblicke waren: Der Moderator verdrängt seine Kollegin von FOX und fuchtelt Jessica Alba penetrant mit dem Mikro vor der Nase rum, bis sie gezwungen ist, ihm zu antworten. Ruby Dee, nominiert für beste Nebendarstellerin im Film American Gangster, sagt vor laufender Kamera ungehalten zu ihrer Assistentin (?): "Give me a tissue". Bekommt aber keins und fingert langsam und umständlich (sehr feinfühliger Kameramann übrigens) ein blutiges (?) Exemplar aus ihrem Täschchen, das sie noch langsamer und noch unauffälliger zu ihrer Nase führt. Der Moderator fragt einen Interviewpartner, wie er sich Notizen macht, "because I always forget, what I write down in the night". Der Moderator nimmt Helen Mirren immer das Mikro vom Mund weg, wenn sie was sagen will (will aber eh keiner hören, was die zu sagen hat).
Die Verleihung selbst war gar nicht mal schlecht moderiert, von den auswendig gelernten Ansagen diverser Filmschönheiten und drei furchtbaren Musik-Performances aus Enchanted mal abgesehen.

Um sieben, als der Tag schon freundlich ins Kino grüßte, habe ich mir mit fünf Mitstreitern noch Sweeny Todd im Saal1 angesehen. Man darf es ruhig aussprechen: Johnny Depp + Tim Burton ist keine Garantie für einen guten Film. Echt nicht. Meine Begründung deckt sich, wenn auch nicht so fachmännisch mit der Rezension der fünf Filmfreunde. Keine Tiefe bei den Charakteren, schlechte Lieder, Story vernachlässigt. Aber schönes Setdesign.

Ich freu mich schon aufs nächste Jahr.

Ach ja: Der Titel stammt aus der Dankesrede von Marion Cotillard, die einen Oscar für ihre Rolle als Edith Piaf in La Môme bekommen hat.

Foto: Don.Lee

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